23. September 2012  | hau

Auf der Suche nach der Zwiebel

Brauchtum – Beim Griesheimer Volksfest gibt’s den Namensgeber an etlichen Ständen mal als Deko, mal zum Essen

Mit Wackelaugen und Clownsnase: Diese lustigen Zwiebeln dekorieren beim Tanzsport- und Carnevalverein St. Stephan die Tische.  Foto: Gudrun Hausl
| Vergrößern | Mit Wackelaugen und Clownsnase: Diese lustigen Zwiebeln dekorieren beim Tanzsport- und Carnevalverein St. Stephan die Tische. Foto: Gudrun Hausl
GRIESHEIM. 


Woher hat Griesheims beliebtestes Volksfest seinen Namen? Nicht etwa, weil das Karussell neben der bronzenen Zwiebelfrau steht, wie ein Knirps keck verkündet, aber auch nicht, weil die Griesheimer viele Zwiebel essen, wie ein auswärtiger Besucher vermutet.
Ein Blick in die Stadtchronik von Heimatforscher Karl Knapp gibt Aufschluss. Es war der gewinnbringende Zwiebelanbau der Landwirte, die der Griesheimer Bevölkerung den Namen „Griesemer Zwewwel“ einbrachte und das Bestreben der Initiatoren, 1978 ein Volksfest zu installieren, das an den alten Bauernmarkt in der Oberndorferstraße und den Erwerbszweig erinnert, der über 250 Jahre die Lebensgrundlage der Bevölkerung war.

„Der Zwiebelmarkt ist ein Markenzeichen und ein Stück Identifikation über die Stadtgrenzen hinaus“, verkündet Bürgermeisterin Gabriele Winter beim Bieranstich in der Wagenhalle. Das Fest habe nichts von seiner Faszination verloren, und die Begeisterung sei nach wie vor groß, meint sie.
Doch wie steht es mit der Zwiebel selbst? Spielt sie bei dem bunten Markttreiben überhaupt noch eine Rolle? Erste Anlaufstelle ist der Obst- und Gartenbauverein. Dieser hat den Verkauf von Zwiebeln jedoch eingestellt. Bei den Square Dancern Spinning Onions (wirbelnde Zwiebeln) und den Amateurschauspielern der TuS-Zwiebelbühne dient die Gemüsepflanze lediglich als Namensgeber.
In verarbeiteter Form jedoch findet sie sich bei vielen anderen Vereinen und sorgt für kulinarische Vielfalt. Das Team der Kibar hat eine Zwiebelpizza kreiert, der Blasmusikverein bietet frittierte Zwiebelringe an. Zwiebelsuppe gibt es beim GV Frohsinn, gleich nebenan duftenden Zwiebelkuchen und „Musik“ als Zugabe zum Kochkäse am Stand des Akkordeonvereins. Als besondere Delikatesse gilt die Zwiebelwaffel mit Speck, die der Sängerbund-Germania frisch zubereitet. Rohe Zwiebeln, und zwar echte Prachtstücke, gibt es als Tischdekoration beim Tanzsport- und Carnevalverein St. Stephan zu bewundern. Hier hat Carla Meurer in zweitägiger Arbeit 48 dicke Speisezwiebeln mit Wackelaugen, Clownsnasen, Hüten und Zöpfen verziert und zu echten Hinguckern gemacht.
Bei der Schnitzeljagd für Kinder spielt die Zwiebel ebenfalls eine Rolle. Hier wird beispielsweise nach der Kopfbedeckung der Zwiebelfrau und dem Zwiebelkuchen gefragt. Liebevolle Kleinigkeiten sorgen also für den Flair und die Identifikation der Bevölkerung mit ihrem Fest.
Doch sind es vor allem die Menschen, die dem Volksfest seinen ureigenen Charme verleihen. Ihr fröhliches Miteinander und das Bemühen von Stadt und Vereinen, an einem Strang zu ziehen, locken Tausende von Besuchern an.
So ist es auch keine Selbstverständlichkeit, dass beispielsweise Alt-Bürgermeister Norbert Leber mit seiner Band für den Turn- und Sportverein (TuS) kostenfrei am Freitagabend die Wagenhalle in einen Rock-Palast verwandelt oder Freunde aus den Partnerstädten das Marktgeschehen bereichern.

   
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