Geballte Ladung Testosteron

Karnevalistisches Jubiläum – Der Tanzsport- und Carnevalverein St. Stephan besteht seit 55 Jahren

Als „Wackeltenöre“ unterhielten Rudi Müller (von links), Rainer Ruppert und Heini Regert den Saal.   Foto: hausl
Als „Wackeltenöre“ unterhielten Rudi Müller (von links), Rainer Ruppert und Heini Regert den Saal.  Foto: hausl
Sein fünfundfünfzigjähriges Bestehen feierte der Tanzsport- und Carnevalverein St. Stephan (CVS) mit einer kunterbunten Bühnenshow. Vor den Augen des Gründungsmitglieds Matthias Kunzer bewiesen die Stephaner Fastnachter, dass der Spaß noch immer im Mittelpunkt steht.

GRIESHEIM. „Fünf mal elf Jahre CVS, närrisches Treiben ganz ohne Stress, fünf mal elf Jahre Spaß an der Freud’, fünf mal elf Jahre, die keiner bereut!“, bilanzierte Sitzungspräsident Rudi Müller und ließ ein dreifach donnerndes „Hie Schlott!“ folgen. „Die Fastnacht ist die schönste Zeit, verschafft dem Narr Glückseligkeit, aus Tradition und mit viel Lust, lebt er die Narretei bewusst“, heißt es bei den Fastnachtern. Daher stimmte der Musikzug das Publikum mit Schunkelliedern ein und leitete „Atemlos“ zu dem närrischen Geschehen über.

Zum siebten Mal als Chef des Protokolls in der Bütt und an diesem Abend schwarz-rot-gold gekleidet, ließ Alexander Milde den WM-Triumpf Revue passieren, huldigte dem Aufsteiger Darmstadt 98 und setzte sich kritisch mit dem politischen Geschehen auseinander.

Viel über ihren Mann zu erzählen hatte Gisela Dalko. „Ob im Lebe, ob im Bett, moin Alte ess e Schlaftablett“, offenbarte sie und plauderte aus dem Nähkästchen, während Tochter Bianca von ihrem beruflichen Alltag, ihrer eigenen Finanzkrise und Nachbarschaftstratsch berichtete. „Hackevoll“ von der Bar auf die Bühne schleppten sich Brigitte Kelnhofer und Sybille Wehnert, spürten dort „die geballte Ladung Testosteron“ des zweiundzwanzigköpfigen Elferrats und plauderten ungeniert über ihre Männerbekanntschaften. „In so einer Sektbar, do triffste Gestalte, des ess kaum auszuhalte“, ließen sie wissen.

Während Solotänzerin Laura Arnold leichtfüßig über die Bühne wirbelte, tat sich das CVS-Jubiläums-Tanzmariechen alias Holger Arnold mit seinem Rollator sichtlich schwer, an alte Zeiten anzuknüpfen. Ideenreich präsentierten sich die großen und kleinen Mitglieder der Fun Factory, baten im feschen Dirndl zum Maitanz, zeigten sich als „Griesheimer Säcke“ beweglich und machten auch als singende Mülltonnen eine gute Figur. Obwohl zahlenmäßig dezimiert, bewiesen die „Blue Moons“ mit ihrem Gardemarsch und die „Blazing Dancers“ mit ihrer flippigen Einlage, dass das Tanzen für sie noch immer die schönste Nebensache der Welt ist.

„Die Tür ess do, des Loch ess weg!“

Auch das Männerballett, das sich mit den „Blue Moons“ verstärkte, knüpfte daran an und erinnerte mit dem Showtanz „Barbie und Ken“ an die Modepuppen. Als „Wackeltenöre“, festgeschnallt in Skischuhen, und als „CVS-Pianisten“ mit heruntergelassener Hose, sorgten Mitglieder des Elferrats für Klamauk. Als singender Wirt suchte Berthold Massing „das verflixte Schlüsselloch“. Er musste aber konsterniert feststellen: „Die Tür ess do, des Loch ess weg!“

Für Hochstimmung im Saal sorgte die stimmgewaltige Kölnerin Tina van Wickeren. Die Halbfinalistin aus der Sat 1-Sendung „The Winner is“ begeisterte mit deutschen Schlagern und Kölschen Liedern.

   
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